blog

17.01.2020 • 3 min.

Martin Parr Retrospektive in Düsseldorf

pretty on point • retouching • post production • düsseldorf

Ich bin ein Kind des Potts. Tiefster Pott. Aufgewachsene zwischen Oberhausen (Eltern) und Bottrop (Großeltern). Letztere hatten natürlich einen picobello Schrebergarten, indem wir als Kinder im Sommer quasi mit Kleingarten-Zwergen über Plastik-Tische und -Bänke gesprungen sind. Wat dat mit dem Titel zu tun hat, wollt ihr wissen? Wegen dem seine Bilder eben.

Da stand ich nun mit Stefan in dieser Ausstellung und dachte so bei mir „Das könnte ich da sein im Blumenbeet mit Oma und Co in unserer Bottroper Kleingartenidylle“. So ein bisschen, als hätte man die Bilder aus unseren Familienalben auf Din A0 gezogen und eine Tiptop-Ausstellung daraus gemacht. Eigentlich gar keine schlechte Idee. Vor 40-50 Jahren hatten die Menschen in der englischen Provinz definitiv einen schrillen Look. Rotzig echt irgendwie. Mit so einer Scheißegal-Attitüde, die ich schon an meinem Opa bewunderte. 

Neben mir stehen ein paar Jugendliche und finden das Ganze „mega gehyped“, da sie die echten Menschen auf diesen Fotos so „krass ugly“ finden. Da ich sie so unverhohlen anschaue, nicken die zwei Kids mir zu, als wollten sie mir sagen „siehst Du doch genauso“. Und ich denke mir nur „Gott, ich habe gerade eine Hose an, die ist älter als ihr. Und nein, ich finde die Menschen da nicht hässlich, sondern echt (bizarr). Egal.“ Und schon stehe ich vor dem nächsten Bild und bin fasziniert. Was für eine groteske Szenerie. Genial. Daneben hängt das schwarz-weiß Bild „O`Connel Bridge, Dublin, Ireland, October 1981“. Stefan erklärt mir die Herausforderungen bei der Entstehung eines solchen Fotos. Bis dahin hatte ich noch nicht von der Möglichkeit gehört, den Blitz der Kamera so einzustellen, dass entweder die Regentropfen bei einem Nachtmotiv unscharf und die Person scharf werden, oder die Person unscharf und die Regentropfen scharf. 

Plötzlich stehe ich vor einer Collage von Bildern die skuriller kaum sein kann, einem bunten Potpourri von Würsten, Badehosen, oller Pizza, sonnenverbrannter Haut, tropfender Eiscreme, English Breakfast, zufällig erscheinenden Portraits.

Martin Parr ist es in seiner Ausstellung gelungen einen Einblick der 70er zu zeigen und seinen Motiven aus England einen Kleingarten-Mikrokosmos im heutigen Düsseldorf gegenüber zu stellen. Alle Bilder verbindet eine Sache: Einen flüchtigen Moment „Echtheit“, den ich heute in so vielen Arbeiten vermisse.

Ich verbleibe mit dem Gedanken: „Wat schön diese Erinnerung an meine Bottroper Pott-Idylle doch is.“ 

Text: Jan Wischermann, Anna Wischermann
Bild: Jan Wischermann

Beitrag teilen