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07.04.2019 • 12 min.

pretty personal portrait

„Die Leidenschaft und der Wille zählen.“

Durch welche Tugenden sollte sich ein Geschäftspartner auszeichnen? Eine treibende Kraft, selbstsicher und leistungsstark, jedoch mit Bescheidenheit, Loyalität und Anstand. Immer unter den Besten, aber kein Egomane. Teamspieler statt Solo. Sympathisch und offen wie Freunde eben. Stärken, die Jan Wischermann kennzeichnen und ihn mit seinen neuen Partnern Stefan Kranefeld und Nicole Niestroj verbinden. Ein Interview mit Jan Wischermann über 1.537 Fehlentscheidungen am Anfang seiner Karriere, kommunikationsstarke Nerds, lebensrettende Maßnahmen für Kunden, zarte Berührungen und über sichere Pferde, die nicht immer die richtige Wahl sind.

 

AW: Jan, musstest Du lange überlegen, als Du das Angebot von Stefan Kranefeld erhalten hast?

JW: Stefan und ich kennen uns schon sehr lange. In den letzten zwei Jahren haben wir uns sehr häufig — vor allem privat ausgetauscht. Anfang 2018 haben wir uns getroffen, um ein Projekt gemeinsam zu realisieren. Und dann noch eines. Und noch eines… und noch eines. Daraus wurde 2018 ein Dreivierteljahr enger Zusammenarbeit. Wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge und uns wahrscheinlich deswegen auch so schnell einig, dass wir diese gegenseitige Inspiration und Motivation nutzen sollten und durch eine gemeinsame Basis einen ganz besonderen Ort der Kreativität und des Wissens schaffen können.

AW: Also hat er schlagkräftige Argumente geliefert, von denen Du sofort überzeugt warst.

JW: Die Leidenschaft und der Wille zählen. Stefan Kranefeld Imaging ist ein Studio mit langer Tradition und hat einen hervorragenden Ruf — einfach eine der meistgeschätzten Adressen. Das Team aus Stefan, Nicole, Dani, Elke und mir ist bestens aufgestellt, leidenschaftlich, willensstark und arbeitet enorm engagiert. Insofern ist gewährleistet, dass ich mich nebenbei auch auf New Business und Branding konzentrieren kann. Diese Argumente haben mich sofort überzeugt. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass ich hier einfach mit absoluten Profis zusammen arbeite.

AW: Und Du sollst also auch für Aufbruchsstimmung sorgen?

JW: Stefan ist Pionier, Mitbegründer der Retusche Champions League und gehört seit 25 Jahren zum festen Bestandteil der Agenturszene. Wir haben uns gemeinsam zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren einen Quantensprung in dem Bereich zu machen. Wir sind nicht nur exzellent in der Umsetzung, sondern verstehen auch die Kunden. Wir glauben fest daran, dass wir jede Kundenvision realisieren können.

AW: Egal in welchem Bereich: Kommunikation mit Kunden ist Bauchgefühl plus Kristallkugel. An welchen Stellen haben Kunden einen ganz konkreten Nutzen benannt, nachdem sie mit euch zusammen gearbeitet haben? Also nicht „die wissen viel mehr über Retusche als wir“, sondern: wo habt ihr mindestens ein Leben gerettet?

JW: Ok, also Leben retten, das ist nicht wirklich unser Metier. Aber wir helfen Art Buyern bares Geld und eine Menge Zeit zu sparen, denn meist ist es so „Wer billig einkauft, zahlt doppelt.“ Zeit und Geld werden also verschwendet. Obwohl…eigentlich stimmt es. Wir haben schon so manchen Kopf gerettet. (lacht) Unsere Kunden wissen, dass wir jede Herausforderung für sie lösen können. Wir haben ein tiefes Verständnis für Fotografie und haben in der Vergangenheit mehr als ein Mal schwierigste und teilweise unmögliche Herausforderungen für unsere Kunden gemeistert und so direkt und indirekt den ein oder anderen Kopf gerettet.

AW: Als Selbständiger bist Du bestens vernetzt. Welche Marketinginstrumente kannst Du aus Erfahrung anderen Geschäftsführern ans Herz legen?

JW: Glückliche Kunden sind unser bestes „Marketinginstrument“, da sie uns nicht nur weiter buchen, sondern auch fleißig weiterempfehlen.

AW: Ihr seid die Spezialisten unter den Spezialisten. Was liebt ihr am Leben in der Nische?

JW: Wir sind tatsächlich in der Retusche nochmals auf die „Königsdisziplin Haare“ spezialisiert und haben das als eine Art Vorreiter gemacht — 1994 schon. Eine strategische Entscheidung, für die man eine gute Nase oder viel Mut braucht. Oder wie mein Partner Stefan Kranefeld beides.

AW: Wie wichtig ist für Dich das Thema Online-Präsenz?

JW: Ich bin überzeugt, dass Social Media und Co keine Trends sind, sondern ein grundlegender kultureller Wandel, dem sich kein Unternehmen mehr entziehen kann. Eine Gefahr besteht darin, dass man an einem Großteil der Kunden vorbeikommuniziert, falls man online nicht professionell auftritt. Kunden erwarten aber nicht nur professionelle Online-Präsenz, sondern auch zeitgemäße (Online-) Kommunikation. Daher bilden wir uns auch hier ständig weiter, um dem Wandel mit zeitgemäßem Auftreten zu begegnen. Ein weiteres essentielles Thema ist meiner Meinung nach aber auch die Offline-Präsenz zum Beispiel auf Netzwerkveranstaltungen. Hier ist es wichtig als Experte wahrgenommen zu werden. Als jemand, der jedem Gespräch einen gewissen Mehrwert gibt, eher bescheiden auftritt und nicht immer im Vordergrund stehen möchte. Dem Publikum sollte man als Redner die bestmögliche Information zukommen lassen, Menschen vor Ort und auch im Nachgang verknüpfen sowie Synergien schaffen. Also im besten Sinne mehr Geben als andere von einem erwarten. Bei Vorträgen und Netzwerketreffen sollte man immer wieder kritisch reflektieren, was das Gegenüber mitnehmen kann. Also immer spannende Impulse und echten Take Home Value liefern — das ist das A und O.

AW: Hattest Du einfach Lust auf eine Veränderung oder woher kommt der Wunsch eines Zusammenschlusses?

JW: Es war für mich nach über 10 Jahren Selbständigkeit der nächste logische Schritt, da man in unserem Bereich ein zuverlässiges Team braucht, um schlagkräftig zu sein. Ich habe mich schon lange nach einer geeigneten Konstellation umgeschaut und meine Erwartungen wurden nun durch die Fusion mehr als übertroffen. Es ist ein völlig neues arbeiten, was nicht nur neue Möglichkeiten und Freiheiten, sondern auch viel mehr Spaß sowie unglaubliche Inspiration bietet. Nebenbei kann ich meinen Leidenschaften „Netzwerken und Kommunikation“ wesentlich mehr Zeit einräumen und diese gewinnbringend für das Studio einsetzen.

AW: Welche anfängliche berufliche Fehlentscheidung hat Dich rückblickend am meisten nach Vorne gebracht?

JW: Wahrscheinlich alle meiner anfänglichen 1.537 Fehlentscheidungen. (lacht) Ich würde sagen mein größter Fehler war, dass ich zu Beginn meiner Selbständigkeit nicht auf mein Herz gehört habe. Ich habe mich nicht dort verwirklicht, wo meine größte Leidenschaft liegt, sondern auf das vermeintlich „sicherere Pferd“ Art Direktion gesetzt. Also habe ich meine Komfortzone durch den Schritt in die Selbständigkeit nur bedingt verlassen. Das Ganze hat mir am Ende zwar viele graue Haare beschert, aber mich noch mehr gelehrt. Denn nach zwei Jahren bin ich doch zur Postproduktion übergegangen und ab da fühlte sich alles richtig an. Plötzlich ergaben sich Chancen und Möglichkeiten, die besser waren als das, was ich mir vorher hätte erträumen können. Spätestens da wusste ich, dieser Weg war zwar kein leichter, aber nun darf ich die ersten Früchte ernten.

AW: Warum bist Du Retuscheur geworden?

JW: Ende der 90er habe ich zu Hause leidenschaftlich NHL Hockey von EA Sports mit meinem besten Freund gespielt. Das i-Tüpfelchen war dann unsere eigene Arena und unsere eigenen Trikots in das Spiel einzubauen. Das war eigentlich nicht vorgesehen, doch ich habe das Spiel „auseinandergenommen“ und die Bilddateien manipuliert. Das waren meine ersten zarten Berührungen mit Photoshop. Einige Jahre später habe ich meinen ersten Mentor Robin Preston und die faszinierende Welt der High End Retusche kennengelernt. Fortan war es ein Ziel von mir, fast ein innerer Drang. Über einen „Umweg“ als ausgebildeter Grafik Designer mit langjähriger Erfahrung als Art Director bin ich meiner Berufung gefolgt und habe schlussendlich auf mein Herz gehört. Als Profi-Retuscheur kann ich nun nicht nur meine gestalterische Leidenschaft ausleben, sondern auch die Bildwelten in den Köpfen der Menschen ein wenig mitgestalten.

AW: Was inspiriert Dich als Retuscheur? Was treibt Dich an?

JW: Mich inspirieren neue technische Möglichkeiten, gegenseitiges Befeuern, persönliche Weiterentwicklung, positive Zukunftsszenarien und Visionen. Für mich ist die Zukunft ein großartiger Ort voller Möglichkeiten. Aus Bildern entsteht oft etwas Einzigartiges. Und das ist auch mein Anspruch an die Retusche: Das Ergebnis soll nicht nur den Kunden nach vorne bringen, sondern auch andere inspirieren. Das heißt, die Emotionen, die ich hineingesteckt habe, sollen auch beim Betrachter ankommen und etwas auslösen.

AW: Was sind für Dich die wichtigen Themen der Zukunft in eurer Branche?

JW: Wir testen ständig neue Trends und probieren verschiedene Ansätze aus, unseren Kunden einen zukunftsgerichteten Mehrwert zu geben. In 10 Jahren wird es ein ganz anderer Markt sein. Jetzt schon kann man zum Beispiel davon ausgehen, dass minimal animierte Motive das klassische Plakatmotiv ablösen werden.

AW: Was unterscheidet euch von anderen Studios bzw. was ist das Besondere an pretty on point?

JW: Wir machen das, worauf wir Lust haben und wovon wir überzeugt sind: „Exzellente Retusche mit Liebe“. Das neueste Projekt verbindet drei Herzensthemen von uns: Retusche, Design und Fotografie.

AW: Ausblick 2019: Worauf können wir uns freuen?

JW: Auf viele pretty things. Versprochen. Mit unserem noch schlagkräftigeren Team werden wir weiter die Benchmark in Sachen Postproduktion setzen. Zudem werden wir viele wertvolle Inhalte in Form von Videos und Podcasts mit dem Gesprächskonzept „Über den Tellerrand“ aus der Erfahrung kumuliert von über 60 Jahren in der Kreativbranche mit sehr spannenden Menschen aus der Kreativbranche veröffentlichen. Zudem arbeiten wir an einem bis dato noch nicht dagewesen Fotomagazinkonzept. Und wir werden natürlich unseren Partnern mit neuen Lösungen zur Seite stehen.

pretty on point • kranefeld, niestroj, wischermann GbR • www.prettyonpoint.de

Interview/Text: Anna Wischermann

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