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02.03.2020 • 3 min.

SURVIVORS von Martin Schoeller

SURVIVORS oder „Warum haben die Menschen auf den Bildern so dunkle Flecken im Gesicht?“

Wenn man mit einem Kindergartenkind in die Ausstellung „Survivors“ geht, wird man mit Fragen konfrontiert, die man sich selbst nicht gestellt hätte beim Anblick der Porträts. Aber da der Zwerg sich gerade durch ein Flüchtlingskind im Kindergarten für Krieg und Frieden interessiert und wir die Ausstellung gerne besuchen wollten, kam er mit.

In der Ausstellung „Survivors. Faces of Life after the Holocaust“ sind Fotografien des Künstlers Martin Schoeller zu sehen. Er porträtierte 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau 75 Holocaust-Überlebende in Israel.

„Was steht unter den Bildern? Kannst Du das vorlesen?“ Es sind Zitate der Überlebenden, die unter die Haut gehen.

Im Video sieht er, dass die fotografierten Personen Zahlen auf dem Arm tätowiert haben. „Warum haben die alle diese Zahlen? Können sie die nicht abwaschen?“ Leider nicht.

Bild für Bild lesen wir ihm die Namen und teilweise auch die Zitate vor. „Der Mann hat aber traurige Augen.“ Ja, das stimmt.

Seiner Art der Fotografie „Close ups“ ist Martin Schoeller auch bei dieser Reihe treu geblieben. Er bildet die Geschichten eines Gesichtes ab. Dabei verfolgt er das Gebot der Gleichheit: selber Hintergrund, identische Perspektive, gleicher Ausschnitt. Was man sieht sind eindrucksvolle und ausdrucksstarke Menschen mit all ihrer Echtheit, die selbst Kinder in den Bann ziehen.

Am nächsten Tag stellt unser Kind fest „Diese mutigen Menschen aus dem Museum haben sehr viel nachgedacht und Falten davon bekommen. Und einige sind sehr schlau durch das Denken geworden. Sie haben nämlich gesagt, dass Frieden das wichtigste im Leben ist. Krieg ist das Allerschlimmste. Da kann man getötet werden. Wie der Papa von einem Kind aus unserer Kita. Der wurde von Kriegsmenschen erschossen. Der ist tot – für immer.“

Links:
https://www.zollverein.de/erleben/survivors/

Gleichzeitig sind Werke von ihm in Düsseldorf im NRW Forum bis Mitte Mai zu sehen. Wer Zeit hat, sollte beide besuchen.

https://www.art-in-duesseldorf.de/ausstellungen/martin-schoeller.html

Text: Jan Wischermann, Anna Wischermann
Bild: Jan Wischermann

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