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09.07.2019 • 4 min.

Die meisten Künstler sind keine Helden.

pretty on point • retouching • post production • düsseldorf

Peter Lindbergh – Women’s Stories
Die meisten Künstler sind keine Helden.

Um möglichst unvoreingenommen in so einen Kinoabend zu starten, versuche ich im Vorfeld keine Kritiken über den entsprechenden Film zu lesen.

Ich gebe zu, ich hätte dieses Mal eine Ausnahmen machen oder den Titel der Dokumentation besser lesen sollen: Women’s Stories. Dieser Titel sagt eigentlich alles, was man hätte wissen müssen. So wäre ich anfangs vielleicht nicht ganz so enttäuscht gewesen darüber, dass es eher ein Film für Peter Lindbergh ist, eine Huldigung, eine Hommage. Und nicht eine Dokumentation mit ihm, wie ich es erwartet oder ein wenig erhofft hatte.

Wegbegleiterinnen schildern Lebensphasen des Fotografen

Aber als ich diese Information verinnerlicht hatte, machte alles Sinn. Jean Michel Vecchiet zeigt seine Einblicke über die Geschichte von Peter Lindbergh, begleitete ihn zu Shootings, zeigt Massen von Fotos und interviewt die Wegbegleiterinnen Lindberghs. Die Schwester, Topmodels, vergangene Frauen, die aktuelle Frau.

„Die meisten Künstler sind keine Helden“ – dieses Statement von einer Wegbegleiterin Lindbergh’s hat sich bei mir eingebrannt. Welch eine wahre Aussage.

Mein erstes persönliches Zusammentreffen mit Peter Lindbergh

Ich habe Peter Lindbergh mal in der Kunstsammlung in Düsseldorf zusammen mit Wim Wenders und Jim Rakete erlebt. Und was soll ich sagen?! Ich war sofort Fan des schönen Ruhrpott-Slangs und konnte ihn mir durchaus an der nächsten Pommessbude in Duisburg vorstellen. So schön normal und auf dem Boden geblieben. Hallo? Er hat Naomi Campbell, Linda Evangelista, Cindy Crawford, etc. groß gemacht… das vermittelte auch der Film über ihn für mich.

Er ist keiner, der die Menschenmassen sucht, sondern die kleine selbstausgewählte Familie in der Camargue, Frauen, die ihn inspirieren und antreiben und natürlich die Liebe (zu den Frauen).

Man erfährt etwas zu seiner einfachen Herkunft, seinen Eltern, die ihn sehr unterschiedlich geprägt haben. Es wird deutlich, dass er den Traum seiner Mutter ein künstlerisches und besseres Leben zu führen, auslebt. Bewusst oder unbewusst. Der Zusammenhang zwischen einigen seiner Fotos und seiner Kindheit wird verständlich. Man findet in seinen Bildern die Flucht aus Leszno wieder, die Spuren des 2. Weltkriegs, die Kindheit im Ruhrgebiet. Dies alles ist ein Hauptbestandteil des Film. Allerdings ist die Chronologie des Films genauso wie Lindbergh’s Werdegang: nur wenig gradlinig.

Meister der Imperfektion

Durch die Erzählungen kam bei mir an, dass Lindbergh „echt“ ist in dem, was er tut. Es fielen wahnsinnig berührende Worte über seine Frau, die er „nicht ins rechte Licht rücken muss“. Denn wenn man jemanden liebt, ist diejenige/ derjenige immer schön und man möchte einfach nur auf den Auslöser drücken. In seinem Job versucht er wunderschöne Frauen in ein noch schöneres Licht zu rücken und dies trotzdem ohne sich zu verstellen, den Moment einfangen. Charlotte Rampling sagte einmal: „Lindbergh sucht und findet das Kind in einem“.

Er hat keine Berührungsängste eine ihrem Ruf zufolge zickige Naomi Campbell in eine charmanten Art und Weise „zurecht zu rücken“. Er hat keine Angst die schönsten Frauen mit dem unschönen Charme des Ruhrpotts zu verbinden. Keine Angst vor Imperfektionen. Fotos in Bewegung, schwarze Tiefen, Unschärfen… das was man manchmal so vermisst in der heutigen Fotografie.

Mein Fazit über den Film

Alles in allem war es ein interessanter Film. Ob ich ihn mir ein zweites Mal anschauen würde? Nein.

Ob ich mir einen weiteren Film über und mit Peter Lindbergh angucken würde? Ja.

Mit welchen Gedanken ich aus dem Kino gegangen bin? Mit der Einleitung des Films:

1. Ist unser Leben so verlaufen, wie wir es uns früher vorgestellt haben?

2. Sind die meisten Künstler wirklich keine Helden?

Text: Daniela Preiß, Anna Wischermann
Bildnachweis: Daniela Preiß

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