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18.06.2019 • 5 min.

Aber bitte mit Sahne oder wer entscheidet über kreative Ergebnisse?

Als Kind mag man oft eine Sache super gerne (bei mir waren es Schokostreusel) und dann möchte man es mit jedem Gericht kombinieren, egal ob es passt oder nicht. Erbsensuppe mit Streusel, Currywurst mit Streusel, Rosenkohl mit Streusel. Bei meinem besten Freund Michael war es Sahne. Irgendwann merkten wir dann doch, dass unsere Mütter Recht hatten und es irgendwie zu viel des Guten war. Eigentlich war eine ehrliche Currywurst mit den Zutaten des Experten aus dem Imbissbüdchen besser als die mit den eigens mitgebrachten Toppings wie Schokostreusel oder Sahnehäubchen. Einfach zu sehr gepimpt.

So ist das auch mit vielen anderen Dingen im Leben. Manchmal ist eben weniger mehr. Der Schuster sollte bei seinen Leisten bleiben. Und Qualität vor Quantität. Du verstehst, worauf ich hinaus möchte.

In unserem Fall würde die Frage lauten: Wie viele Menschen begutachten visuelle Ergebnisse, retuschierte Fotos und in welcher Reihenfolge? Und was bedeutet das für die Curryurst – ich meine das Bild?

Ich vertraue gerne, denn immerhin zahle ich gutes Geld für einen Profi.

Wenn ich beispielsweise mein Auto in die Werkstatt bringe und mir der Mechaniker verkündet, dass die Bremse, die Lambda Sonde oder was auch immer erneuert werden muss, dann glaube ich ihm das in der Regel. Nicht nur, da ich schlicht und ergreifend nicht die geringste Ahnung von Autotechnik habe. Sondern insbesondere, da ich bewusst einen Fachmann aufsuche, der mein Problem löst. Dafür zahle ich gerne auch mehr als an einen Hobby-Schrauber-Kumpel, der zwar weniger Geld für seine Dienstleistung nimmt, aber auch gleichzeitig wesentlich weniger Qualität garantieren kann.

Beim Produkt Bild sieht die Sache anders aus. Jeder kann seine Meinung dazu äußern. Man findet ein Motiv entweder schön oder nicht so schön. Subjektive Empfindung eben. Hinzu kommt, dass selbst normale Retusche-Jobs in der Abstimmung oft durch viele Instanzen laufen. Wir werden über Werbeagenturen beauftragt und gebrieft. Diese Briefings sind in der Regel schon mit den Marketingabteilungen der Kunden abgestimmt.

Wir fangen also an und tun unser Bestes, um ein Top-Ergebnis zu liefern. Das stimmen wir zunächst mit der Kreation der Agentur ab, was normalerweise ganz geschmeidig abläuft. Die Kreativen in den Agenturen ticken ähnlich wie wir – beschäftigen sich auch von morgens bis abends mit Bildern und Fototrends, haben einen ähnlichen Background.

Im nächsten Schritt landen die abgestimmten Motive beim Kunden – bei den Marketingspezialisten oder den Produktmanagern. Hier durchlaufen unsere Bilder oft mehrere Hierarchiestufen. Jetzt geht’s richtig ins Detail.

Und ja, es gibt einen Qualitätszenit, den man überschreiten kann.

Die auf diesem Weg definierten Korrekturwünsche entstehen oft aus einer Unsicherheit bzw. Angst, etwas zu übersehen. Man geht auf Fehlersuche anstatt das Bild als Ganzes zu sehen. Der Qualitätszenit des Fotos ist dann schnell überschritten, weil sich zu viele Manipulationen einfach negativ auswirken. Die Grundidee des Kreativen, was den Look angeht, wirkt dadurch verwaschen und farblos.

Wir erleben oft, dass in den Korrekturen ein gelerntes Vokabular abgespult wird, das sich immer wiederholt. Wir machen im Endeffekt mit den Bildern immer das Gleiche. Ob‘s passt oder nicht.

Die Meinung des Kunden ist elementar, denn er kennt das Produkt am besten.

Bitte nicht falsch verstehen: Ein Feedback und ein neutraler Blick ist für uns Retuscheure enorm wichtig, da wir sehr ins Detail eintauchen müssen und dabei auch mal den Blick für‘s Ganze verlieren. Wir brauchen die Meinung des Kunden, da keiner das Produkt so gut kennt wie dieser.

Was die ästhetische Beurteilung der Bildergebnisse betrifft, wünsche ich mir oftmals aber mehr Vertrauen seitens der Kunden in die Fähigkeiten der visuellen Spezialisten, der Fotografen, Retuscheure, Art-Direktoren. Das Ergebnis erhält so eine klarere Bildsprache mit mehr Charakter – und wird kein visueller Einheitsbrei.

Einheitsbrei gefällig?

Denn ansonsten ist es schnell wie mit den Streuseln und der Sahne. Man möchte seine Lieblingsstandards in jedem Bild unterbringen, ganz gleich, ob sie passen oder nicht und erhält dadurch wissentlich oder unwissentlich weniger ausdrucksstarke, ehrliche Ergebnisse.

Text: Stefan Kranfeld, Anna Wischermann
Bildnachweis: Foto NeONBRAND auf Unsplash

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