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06.04.2019 • 16 min.

pretty personal portrait

„Tobe Dich aus und lasse es richtig knallen“

Die jüngste Mitarbeiterin ist gleichzeitig Dienstälteste im Studio pretty on point: Daniela Preiß. Sie kann die Welt des Betrachters auf den Kopf stellen, wenn sie möchte. Sie kreiert mit ihrem enormen Feingefühl für Farbe, Licht und Komposition Bilderlebnisse und arrangiert die Elemente so, dass ein harmonisches Spiel in den Bildern der Kunden entsteht. Im Interview berichtet die außergewöhnliche Retuscheurin über ihren Mentor Stefan Kranefeld, ihre große Liebe Pommes, die Kunst der kleinen Schritte, was eine diplomierte Edelskeptikerin überzeugt, warum sie gerne Wände streicht, was für sie Loyalität bedeutet und über Konstanten von pretty on point.

 

AW: Du arbeitest bereits seit über 16 Jahren bei Stefan Kranefeld und hast sogar Deine Ausbildung bei ihm gemacht. Man könnte Dich so gesehen doch eigentlich als Ziehkind von Stefan Kranefeld sehen, oder?

DP: Das ist absolut korrekt. Diesbezüglich bin ich ein echtes Glückskind. Ich bin hier reingewachsen und Stefan hat mich beruflich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich lerne noch immer täglich von ihm. Stefan und ich verstehen uns blind. Ich habe damals bei ihm eine duale Ausbildung gemacht. In einer Kölner Agentur die Ausbildung zur Mediengestalterin und bei Stefan habe ich die Bildbearbeitung von der Pike auf gelernt. Beide Studios haben mir nach drei Jahren einen Job angeboten. Direkt kam ein klares Signal von meinem Bauch: Gehe zu Stefan. Denn ich habe mich komplett und mit Haut und Haaren in die Bildbearbeitung verliebt und verliere mich noch heute täglich in ihr. Es war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.

AW: Worauf legst Du bei Deiner Arbeit am Bild besonders großen Wert?

DP: Im Job lege ich großen Wert auf die Echtheit eines Bildes. Also keine Totalverfremdung. Man muss das eigentliche Bild erkennen können. Für künstlerische Motive gilt das natürlich nicht. Da darf das Bild auch stark verfremdet werden — sogar bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert.

AW: Und wenn Du abends nach Hause kommst? Was machst Du, um runter zu kommen bzw. Dich zu entspannen?

DP: Entspannung ist mein Lieblingsthema. Nur empfinden die meisten das, was ich als Ausgleich ansehe, als Stress an. Ich liebe es zum Beispiel zu Streichen. Das ist für mich wie Urlaub. Ich bin da schon bis Ende 2020 ausgebucht. (lacht) Ich kann nachts stundenlang Kreise ausschneiden für irgendwelche Hochzeitsdekorationen oder sonstiges. Man könnte mich als Bastelwastel bezeichnen. Auch ich habe daneben „normale“ Entspannungsmomente: Beispielsweise beim Spazierengehen mit Buddhy unserem Hund. Wir wohnen am Wald und sind natürlich täglich mit ihm draußen. Das kann ich jedem nur ans Herz legen. Und abschließend auf dem Rückweg eine große Portion Pommes kaufen. Dann ist das Glück vollkommen. (lacht)

AW: Wann fühltest Du Dich das erste Mal in Deinem Leben angekommen? Nehme uns ein Stück auf diese gedankliche Reise mit.

DP: Da würde ich unterscheiden. Auf der einen Seite das berufliche und auf der anderen Seite das private Ankommen. Beruflich bin ich vor 16 Jahren bei Stefan und privat bin ich vor zwei Jahren bei meinem Freund Robert angekommen. Sie haben mich beide gelehrt, dass ich über mich hinaus wachsen kann und mein Sicherheitsbedürfnis nur ein Teil von mir ist, den ich auch mal loslassen darf, um Neues (was auch meistens gut ist bzw. sich als gut herausstellt) zuzulassen.

AW: In welchen Momenten brauchst Du Routinen?

DP: Routinen sind mein Leben. Ich liebe sie wie ein Kind. Sie geben mir den roten Faden in dieser schnelllebigen Zeit. Ich mag auch neue Dinge, benötige jedoch immer eine gewisse Vorlaufzeit. Denn ich hasse es unvorbereitet zu sein. Ich bin gerne gut organisiert und erstelle mir einen groben Fahrplan für das, was kommt. Kennst Du die „Kunst der kleinen Schritte“ von Antoine de Saint-Exupéry? Wenn wir Platz dafür haben, würde ich gerne diese Zeilen hier einfügen für alle, die bisher nur das Buch „Der kleine Prinz“ von ihm kennen. („Haben wir. Siehe unter dem Interview das Sternchen…“ Anm. d. Red.)

AW: Was wolltest Du werden, als Du 14 Jahre alt warst und was auf keinen Fall?

DP: Oha. Das weiß ich noch ganz genau. Ich wollte unbedingt auf einer Bohrinsel arbeiten. Als Kind habe ich häufig mit meiner Familie Urlaub in Holland gemacht. Wir waren immer am selben Ort und da gab es eine Militärschule. Die Auszubildenden und die Ausbilder dort sahen in ihren Uniformen immer unglaublich schnittig und cool aus. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen dachte ich, dass sie auf der nahegelegenen Bohrinsel arbeiten, sobald sie mit ihrer Ausbildung fertig sind. Auf keinen Fall wollte ich übrigens etwas mit Mathe machen. Damit wäre wahrscheinlich die Bohrinsel auch hinfällig gewesen. (lacht)

AW: Dein Freund ist Heilpraktiker. Partizipierst Du sehr davon, dass er Dich täglich wieder „gerade rücken“ kann?

DP: Sehr sogar — mental wie physisch. Insbesondere meine Denkweise hat sich durch Robert enorm verändert. Er beeinflusst mich stark mit den Lehren des Buddhismus. Er lebt es nicht nur in der Praxis, sondern auch im Alltag und dadurch ich mit ihm. Anfangs stand ich der Sache natürlich als diplomierte Edelskeptikerin kritisch gegenüber. Für mich war zum Beispiel Achtsamkeit Neuland. Und auch, dass Rückenschmerzen mit dem kleinen Zeh zusammenhängen können. Aber was soll ich sagen: Ich bin überzeugt.

AW: Du siehst aus wie jemand, der gute Musik mag. Daher die Frage: Welche Band hörst Du gerade, wenn Du Bilder bearbeitest?

DP: Die Foo Fighters. Jan, Stefan und ich sind da voll auf einer Wellenlänge. Nicole schwimmt da auf ihrer eigenen Welle. Dafür ist sie ansonsten aber einer meiner Lieblingsmenschen. Manchmal kann ich auch gut bei klassischer Musik abschalten und mich in ein Bild vertiefen. Das ist ein bissken tagesformabhängig.

AW: Wenn Du in einer Band spielen könntest, wer wärest Du? Nehmen wir mal an, Dein Talent würde Dir in dem Augenblick dafür zufliegen, sobald Du es laut ausgesprochen hast.

DP: Schlagzeugerin. Ganz klar. Es ist das coolste Instrument und man kann sich so richtig auspowern. Ich habe aber Gitarre gelernt. Vielleicht sollte ich das Thema doch nochmals aufblühen lassen und mit Robert den Schallschutz besprechen. (lacht)

AW: Gibt es Motive, die Du besonders gerne bearbeitest oder bist Du da völlig offen?

DP: Lieblingsmotive habe ich eigentlich nicht. Ich mag grundsätzlich den ersten Augenblick, denn der hat etwas magisches. Man erhält ein Bild und darf es auf sich wirken lassen. Und sofort entstehen ganz viele Ideen im Kopf, was man alles aus diesem Motiv herausholen kann. Diesen Moment des ersten Eindrucks liebe ich. Das Größte ist, wenn der Kunde bei einem Composing oder der Lookentwicklung sagt: „Tobe Dich aus und lasse es richtig knallen“. Feuerwerk pur in meinem Kopf.

AW: Was hast Du als Kind am liebsten gemacht, wenn Du für Dich alleine warst? Und was, wenn Du mit Deinen Freunden unterwegs warst?

DP: Ich nehme einfach mal meine erste, spontane Erinnerung. Ich hatte von einem älteren Mädchen öfter ausgediente Barbies geschenkt bekommen. Und sobald ich alleine war, holte ich eine Schere und einige Lippenstifte meiner Mutter aus dem Bad und verschönerte meine kleinen Kundinnen. Alle bestanden auf trendige Kurzhaarfrisuren in einem kräftigen Rot oder Pink. Damit konnte ich dienen. (lacht) Meine zweite Erinnerung ist, dass meine Eltern und die befreundeten Familien sich immer Outdoor-Aktivitäten ausgedacht haben wie Flöße, Baumhäuser und Staudämme bauen oder im Winter Theaterstücke einüben und aufführen, mit der Verkleidungskiste ausflippen oder mit Salzteig unnötige und vor allen Dingen unglaublich unförmige Gefäße basteln. Ich hatte wirklich eine grandiose Kindheit, wenn ich so darüber nachdenke.

AW: Gibt es einen absoluten Gamechanger in Deiner Vergangenheit, an den Du Dich gerne erinnerst und der Dich beflügelt?

DP: Ich würde sagen in den vergangenen Jahren mein Freund. Es gibt jedoch immer wieder Menschen in meinem Leben, die etwas in mir bewegen. Aber durch ihn veränderte sich die ganze Sicht auf einige elementare Dinge wie Werte, Glaubenssätze und innerliche Antreiber. Dadurch bin ich noch mehr gewachsen und konnte vieles loslassen.

AW: Was treibt Dich täglich an ins Studio zu kommen?

DP: Ich brenne einfach für das, was ich mache. Es sind die drei Faktoren: die meditative Arbeit, die coolen Kollegen und der sensationelle Kaffee.

AW: Ihr seid alle Hundeliebhaber und eure Hunde dürfen ins Studio mitkommen. Glaubst Du, diese Leidenschaft vereint und die Hunde sind mitverantwortlich für das besondere Klima bei euch?

DP: Ich glaube, es ist wirklich Fügung: Lotte, Erika und Buddhy sind wirklich saucoole Hunde, die sich wie ihre Herrchen untereinander blind verstehen und absolut loyal sind. Man sagt nicht umsonst, wie das Herrchen, so der Hund. (lacht)

AW: Branchen….Ideen…Technologien…Politik…Menschen….alles wandelt sich. Auch Stefan Kranefeld Imaging hat sich neu erfunden und heißt nun pretty on point. Wird jetzt viel anders gemacht?

DP: Ein klares JEIN. Ja, es hat sich vor dem Jahreswechsel viel getan und nun gibt es einen neuen Namen, ein neues Logo und eine neue Geschäftsführung. Und nein, denn wir arbeiten natürlich mit derselben Leidenschaft und Professionalität an den Motiven unserer Kunden. Es gibt viele schöne Neuerungen, die an dieser Stelle noch nicht verraten werden, aber die haben weniger mit unserer täglichen Routine und mehr mit wunderbaren Überraschungen zu tun, die parallel entwickelt werden. Darauf freue ich mich bereits wie eine Schneekönigin, auch wenn ich ein Gewohnheitstier bin. Ich finde es spannend, was kommt. Und durch Jan kommt noch mehr Energie in unser Team. Eine neue Situation für mich, wie ein Learning: Jeden Tag einen Schritt raus aus meiner Komfortzone. Tippelschrittchen, aber immerhin. (lacht)

AW: Welche Konstante gibt es im Studio, die sich nie ändern wird?

DP: MICH. (lacht) Der Begriff Familie passt nicht unbedingt, da wir ja nicht verwandt sind, aber wir sind ein tolles Team, das mit der gleiche Leidenschaft und Liebe diesen Job lebt. Das wird sich nie ändern. Wer kann das schon von sich behaupten, dass er täglich gerne zur Arbeit fährt? Nach dem Urlaub juckt es mich immer schon in den Fingern und ich kann es kaum abwarten, dass endlich wieder der Arbeitsalltag beginnt. Ich würde das Studio in dieser Konstellation mit Stefan, Nicole, Jan und Elke als absoluten Jackpot bezeichnen.

 

*Die Kunst der kleinen Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei meine Erkenntnisse zu notieren, von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Ich bitte um Kraft, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte und hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss.

Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick einen Menschen, der den Mut hat, mir die Wahrheit zu sagen.

Ich möchte Dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man sich nicht selbst, sie wird einem gesagt. Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, wenn ich nichts tue. Gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten Geschenk des Lebens gewachsen bin. Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick Güte zu zeigen. Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die unten sind. Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Von Antoine de Saint-Exupéry

pretty on point • kranefeld, niestroj, wischermann GbR • www.prettyonpoint.de

Interview/Text: Anna Wischermann

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